Lesbisch – Lesben Liebe und ihr kultureller Hintergrund

Geschichtlicher Ursprung und kultureller Hintergrund

Der Begriff lesbisch, die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen, kommt von der griechischen Insel Lesbos. Dort lebte im 6. Jahrhundert vor Christus die Dichterin Sappho, die in ihren Liedern und Gedichten die Liebe zwischen Frauen beschrieb. Auf dieser Insel betrieb die Dichterin auch eine Schule für aristokratische Töchter. Allerdings ist bis heute nicht eindeutig nachweisbar, welche sexuelle Orientierung Sappho selbst hatte. Die antiken Römer und Griechen verwendeten das Wort tribas für die gleichgeschlechtliche Liebe unter Frauen, was heutzutage mit Lesbierin übersetzt wird. Durch die maskuline Tribade Megilla, einer fiktiven Person, wurden erste Verbindungen von lesbischer Liebe und der Insel Lesbos nachgewiesen. Erste Schriften, in denen Wörter Lesbe oder Sapphinistin auftauchten, stammen aus 17. Jahrhundert in Frankreich. Bereits während der französischen Revolution, in der Zeit von 1789 bis 1799 und der Erklärung der Menschen– und Bürgerrechte, traten Menschen für die Gleichberechtigung von Homosexuellen ein. 1791 wurde die Homosexualität in Frankreich legalisiert. Damit wurde ein großer Schritt nach vorn gemacht. Die lesbische Liebe, früher auch sapphische Liebe genannt, wurde 1837 in der Brockhaus Enzyklopädie erwähnt. In der Moderne ist der Begriff sapphische Liebe veraltet und wird kaum noch benutzt. Einige Jahre später, gegen 1870, wurde der Begriff Lesbierin als Bezeichnung gleichgeschlechtlicher Liebe zwischen Frauen erstmalig erwähnt. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in den USA und auch in Europa Vereine, Gesellschaften und Bewegungen, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzten. Der deutsche Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld gründete 1897 die erste schwule Organisation der Welt – das wissenschaftlich-humanitäre Komitee in Berlin. Damit war Berlin Vorreiter der schwul-lesbischen Emanzipationsbewegung. In den sogenannten „Goldenen Zwanzigern“ war Berlin die erste Weltmetropole für Homosexuelle und der damalige Szeneclub Eldorado weit über die Grenzen Berlins bekannt. Das pralle Berliner schwul/lesbische Nachtleben blühte und zog Künstler und Kreative magisch an. In Zeitschriften wie „Die Freundin“, „Frauenliebe“ oder „Ledige Frauen“ konnte man über lesbische Lebensentwürfe lesen. Raum dafür boten Cafés und Clubs, in denen sich lesbische Frauen treffen und austauschen konnten. Prominente Berliner Lesbierinnen, wie die Kabarettistin Claire Waldorff und die Barbetreiberin Charlotte Hahm, gehörten dazu. Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus nahm es ein schnelles Ende. Zahlreiche Bars und Clubs wurden geschlossen. Lesbische Frauen wurden von den Nazis bedroht, viele auch verfolgt und nur wegen ihrer sexuellen Orientierung in Konzentrationslager gesperrt.

Das Recht auf Selbstbestimmung

Homosexuelle wurden lange diskriminiert und sogar strafrechtlich verfolgt. In den USA fanden regelmäßig Razzien in einschlägig bekannten Bars statt. Eine solche Razzia fand auch im Juni 1969 in der New Yorker Szenebar „Stonewall-Inn“ statt. Doch diesmal wehrten sich die Gäste, was zum legendären Stonewall-Aufstand führte. Durch diesen Widerstand solidarisierten sich viele Homosexuelle und wehrten sich erstmals gegen die brutalen Razzien der Polizei. Die 1968er Bewegung und auch der Stonwall-Aufstand ermutigten die Homosexuellen, für ihre Rechte einzustehen und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Mit Beginn dieser Bewegung werden Ausdrücke wie „Lesbe“, die früher abwertend galten, als Selbstbezeichnung verwendet.

Die Suche nach sich selbst

Wie erkennt aber eine Frau, dass sie lesbisch ist? Man ist es nicht automatisch, wenn man mit seiner Freundin schmust, kuschelt oder sich für deren Körper interessiert. In der Pubertät befinden sich viele Mädchen in der Orientierungsphase, plötzlich finden sie auch Frauen attraktiv, entwickeln Gefühle für die beste Freundin. Lesbisch ist man dann, wenn diese Phase nicht vorüber geht und man sich auf Dauer ausschließlich zu anderen Frauen hingezogen fühlt.

Manchen Frauen haben beide Geschlechtsorgane, weibliche sowie auch männliche. Äußerlich unterscheiden sie sich kaum von anderen Frauen. Anstatt eines weiblichen Chromosomsatzes mit zwei X-Chromosomen enthält jede Körperzelle ein X sowie auch ein Y Chromosom. Diese Frauen sind intersexuell und fühlen sich, wie jede andere Frau auch, zu Männer oder Frauen hingezogen.

Es gibt auch Frauen, die sich zu allen Geschlechter hingezogen fühlen, das heißt, nicht nur zu Frauen und Männern, sondern auch zu Bi-sexuellen, Transsexuellen oder Intersexuellen. Diese Form der Sexualität nennt man pansexuell. Im Gegensatz zu Bi-Sexuellen fühlen sich pansexuelle Menschen auch emotional oder romantisch zu Menschen eines jeden Geschlechts hingezogen und können Beziehungen aufbauen.

Ein politischer Blick

Stärker als die Schwulenbewegung sieht sich die lesbische Subkultur auch als politische Bewegung. Lesbische Frauen waren schon früh politisch aktiv. Viele Lesben engagieren sich in der allgemeinen Frauenbewegung. Dabei wurde der Kampf für die Rechte der Lesben mit dem Kampf für Rechte der Frauen gleichgesetzt. Durch die intensiven, kritischen Debatten der feministischen Bewegung, den Feminist Sex Wars, wurde die sexuelle Orientierung in den Vordergrund gerückt. Dabei gab es zwei Gruppierungen mit unterschiedlichen Auffassungen. Der sex-positive Feminismus wollte die Akzeptanz von Bi- und Homosexualität, wogegen der Second-Wave-Feminismus dagegen war. Als Begründung der Ablehnung gab diese Gruppierung an, das Lesben noch nicht öffentlich akzeptiert werden. Die grundlegenden Ziele des Feminismus könnten damit gefährdet werden. Mit Beginn der 1980er Jahre entwickelte sich eine eigene Lesbenbewegung.

Ein kultureller Blick

Lesbische Frauen werden seit Beginn der 1990 Jahre auch in Filmen oder Serien dargestellt. Zum Beispiel in der populären amerikanische Serie „Friends“ (1994 -2004 ), in der es mehrere lesbische Figuren gibt. Eine vollständig lesbische Serie ist „The L Word – Wenn Frauen Frauen lieben“, die gleichzeitig Themen wie Bisexualität oder Transsexualität behandelt. Trotzdem gehören lesbische Frauen noch nicht zur Normalität in Film und Fernsehen. Zu viele Klischees werden verwendet. Eine typische lesbische Frau ist jung, entspricht dem gängigen Schönheitsideal und bewegt sich beruflich auf der Karriereleiter.

Die gesellschaftliche Akzeptanz

Obwohl die mediale Präsenz nach den 1990ern weiter gestiegen ist, gibt es immer noch viele Vorurteile. Nicht nur in den islamisch oder stark katholisch geprägten Regionen werden Homosexuelle weiterhin diskriminiert, sondern auch in unser unmittelbaren Umgebung gibt es leider immer noch Menschen, die es nicht verstehen, dass es ein Recht ist, auch gleichgeschlechtlich zu lieben. Dabei ist Liebe doch immer gut. In den Städten hat sich der Umgang mit queeren Paaren weitestgehend normalisiert. Anders dagegen in den ländlich geprägten Regionen. Dort herrscht noch eine größere Abneigung zu Homosexualität. Ein lesbisches Paar in der Nachbarschaft wird dort ungern gesehen und deshalb gibt es noch sehr selten Outings. Die Gefahr als Außenseiter dazustehen, wäre zu groß und enorm kraftaufwendig. Viele wandern deshalb in die Großstadt, um ein freies und unbeschwertes Leben führen zu können. Doch auch das ist ein Trugschluss. Natürlich ist das Leben als Lesbe dort einfacher, trotzdem gibt es weiterhin Vorurteile. Ein typisches Beispiel dafür ist die berufliche Seite. Es ist nicht immer leicht, in unserer Welt mit strengen Normen ein alltägliches Leben ohne Schwierigkeiten zu meistern. Lesbische Frauen in künstlerischen Berufen haben es dagegen leichter als lesbische Frauen, die in bürgerlichen Berufen wie Krankenschwester, Lehrerin oder Büroangestellte arbeiten. Gerade älteren lesbischen Frauen fällt es daher schwerer, sich ihrem sozialen Umfeld zu outen. Aus Angst, nicht mehr akzeptiert zu werden oder plötzlich Außenseiter zu sein, verheimlichen sie oft ihre Neigung zum gleichen Geschlecht. Junge lesbische Mädchen und Frauen haben es dagegen heutzutage leichter. Es gibt in verschiedenen Jugendorganisationen Angebote den Junglesben beim Coming – out zu unterstützen. Das macht eine weitere Lebensführung weitaus einfacher, stärkt das Selbstbewusstsein und das Bekenntnis zu sich selbst und zu seiner eigenen Identität.