Was ist Intersexualität?

Was ist intersexuell? Wir klären auf.

In der Biologie unterscheiden wir üblicherweise zwischen dem weiblichen und männlichen Geschlecht. Doch es gibt Menschen, welche keinem hundertprozentig zugeordnet werden können. Dieses Phänomen bezeichnen Wissenschaftler als „Intersexuell“. Lesen Sie hier alles über Ursachen, Symptome und Unterschiede.

Warum gibt es intersexuelle Menschen?

Aus den verschiedensten Gründen kann es während einer Schwangerschaft zu Entwicklungsstörungen beim Fötus kommen. In solchen Fällen handelt es sich um eine Störung bei der Herausbildung des Geschlechts. Wenn das Kind geboren wird, verfügt es dann sowohl über weibliche als auch männliche Geschlechtsmerkmale. Wiederum gibt es Fälle, in denen neugeborene erst einmal als Mädchen oder Junge identifiziert werden. Später stellt sich aber heraus, dass Merkmale des anderen Geschlechts vorhanden sind. Doch wie kann so etwas passieren?

Bevor wir die Frage beantworten ist es wichtig zu erklären, wie sich das menschliche Geschlecht eigentlich zusammensetzt. Bestimmt wird es durch Geschlechtschromosomen, Hormone und die Geschlechtsorgane. Bei den Chromosomen bestimmen die X und Y-Chromosomen das Geschlecht. Zwei X-Chromosomen bedeuten ein Mädchen, ein X und ein Y-Chromosom lässt auf einen Jungen schließen. Mädchen haben Vagina und Busen, Jungen Penis und Hodensack. Die Hormone prägen die geschlechtliche Entwicklung wie Stimme, Geschlechtsreife und sexuelle Gefühle. Aber auch Gebärfähigkeit der Frau und Zeugungsfähigkeit des Mannes.

Bei intersexuellen Menschen sind meist nur entweder die weiblichen oder die männlichen Geschlechtsorgane vollkommen entwickelt. In vereinzelten Fällen kommt es aber auch vor, dass sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsmerkmale voll ausgeprägt sind. Diesen Zustand nennt man Zwittrigkeit. Damit ist auch die Frage beantwortet, warum solche Menschen als Zwitter bezeichnet werden.

Verwechslungsfehler

Aufgrund unterschiedlicher Arten von Intersexualität kommt es mitunter zu Verwechselungen. Betroffene werden nicht selten den Transgendern oder transsexuellen zugeordnet. Zum besseren Verständnis folgen nun einige Erläuterungen zu diesen beiden Personengruppen.

Transgender:
Dies sind Menschen, die bei der Geburt einem Geschlecht zugeordnet werden, ihre Rolle später jedoch nicht akzeptieren. Sie möchten unbedingt dem anderen Geschlecht angehören. Doch operative Eingriffe zur körperlichen Veränderung lehnen sie ab. Beispiel: Ein Junge merkt schon sehr früh, dass er die Charakterzüge eines Mädchens besitzt. Er fühlt sich im falschen Körper geboren und meint, als Mädchen glücklicher zu sein. So wird er in seinem weiteren Leben als Frau auftreten und einem Mann auch als solche begegnen. Aber die körperliche und hormonelle Verwandlung in eine Frau bezeichnet er als Verstümmelung. In einigen Fällen sind Transgender aber auch intersexuell.

Zu den Transgendern gehören gewissermaßen auch Transvestiten. Diese belassen es allerdings bei einer Umgestaltung ihres äußerlichen Erscheinungsbildes wie Kleidung und Frisur. So ziehen sich Männer beispielsweise wie eine Frau an, schminken sich und setzen eine Perücke auf.

Transsexuelle:
Diese wurden bei der Geburt eindeutig als Mädchen oder Junge identifiziert. Irgendwann fühlten sie sich aber dem anderen Geschlecht zugehörig. Es entstand der sehnliche Wunsch nach einer Verwandlung. Für solche Menschen gibt es keine Grenzen; sie müssen alles verändern, um glücklich zu sein. Beispiel: Eine Frau wird sich irgendwann dessen bewusst, dass gewisse Symptome in ihr einen Mann erkennen lassen. Nun bekennt sie sich dazu und möchte unbedingt einer sein. Auch vor einer OP schreckt sie nicht zurück. Ärzte diagnostizieren in solchen Fällen meist eine psychische Störung. Die Definition bezeichnet eine persönlichkeits-Störung, die das gesamte Verhalten beeinflusst. Mit anderen Worten: Es liegt eine Störung der Geschlechtsidentität vor. Die Diagnose lautet: Transsexualismus.

Intersexualität: Definition, Ursachen und Auswirkungen

Folgende Diagnosen stellen Ärzte bei der Untersuchung von betroffenen:

1. Das adrenogenitale Syndrom: Die am häufigsten vorkommende Variante. Ursache ist eine gestörte Nierenrinden-Funktion. Unter ungünstigen Umständen kommt es zu einem Salzverlust. Die Folgen können mitunter lebensgefährlich sein. Deshalb ist eine Behandlung zwingend erforderlich. Der Chromosomensatz ist weiblich, doch kommt es zur Bildung männlicher Hormone wie Testosteron. Bei nicht Behandlung erfolgt eine Vermännlichung der äußeren Geschlechtsorgane.

2. Das Androgen-Resistenz-Syndrom: Es handelt sich sozusagen um eine Störung der Zellentwicklung. Die inneren Geschlechtsorgane sind zwar ausgebildet, die Hoden aber nicht nach außen gewachsen. Teilweise zeigt sich äußerlich ein weibliches Erscheinungsbild. Doch die Vulva bleibt unbehaart. Auch unter den Achselhöhlen wachsen keine Haare. Gebärmutter und Eileiter sind nicht ausgebildet.

3. Gonaden-Dysgenesien: Gonaden bezeichnen die Keimdrüsen, in denen die Sexualhormone und Keimzellen gebildet werden. Diese entwickeln sich im Falle von Gonaden-Dysgenesien verkehrt oder gar nicht. Die Folgen können sein: Kleinwuchs der Geschlechtsorgane oder Unfruchtbarkeit.

4. Der Hermaphroditismus-Virus: Gleiches vorhanden sein von weiblichen und männlichen Geschlechtsmerkmalen. Ursache ist vermutlich ein Gen-Defekt. Die Auswirkungen können unterschiedlicher Natur sein. Typisch ist zum Beispiel ein Geschlechtsorgan aus einer Klitoris-Penis-Kombination. Der Chromosomen-Satz ist in den meisten Fällen männlich.