IDAHOBIT – worum geht es?
Der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (englisch: International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia and Transphobia, kurz IDAHOBIT) wird jedes Jahr am 17. Mai als Aktionstag begangen, um auf die in vielen Teilen der Welt immer noch anhaltende Diskriminierung von LGBTQI* aufmerksam zu machen. Worum geht es dabei genau? Gefeiert wird er von Menschen, deren sexuelle Orientierung oder Geschlechteridentität von der mehrheitlich praktizierten Heterosexualität abweicht. Dieser Tag soll nicht nur aufmerksam machen, sondern auch Mut machen, aktiv für Gleichberechtigung einzustehen und Solidarität mit Betroffenen zu zeigen.
Anfangs hieß der Tag nur IDAHO bzw. International Day Against Homophobia (Internationaler Tag gegen Homophobie). Letztlich geht es darum, mehr Bewusstsein für LGBTQI*-Rechte zu schaffen und der anhaltenden Diskriminierung entgegenzuhalten.
Noch bis 1990 wurde Homosexualität von der Weltgesundheitsorganisation offiziell als Krankheit betrachtet bzw. im Diagnoseschlüssel für Krankheiten geführt. Transgeschlechtlichkeit gilt sogar erst seit 2018 nicht mehr als Krankheit. In Deutschland wurde der Gedenktag bereits vor dessen offizieller Ausrufung von vielen Spöttern als „Feiertag der Schwulen“ bezeichnet.
Noch im Jahr 2009 war Homosexualität in ungefähr 70 Ländern rund um den Globus strafbar. Das trifft besonders auf viele islamische Länder zu, aber auch in vielen afrikanischen und osteuropäischen Ländern fällt die Akzeptanz von Menschen mit einer abweichenden sexuellen oder geschlechtlichen Orientierung, vielen Menschen, darunter auch Politiker, schwer.
Als Beispiele können der ehemalige polnische Ministerpräsident Lech Kaczyński oder der ungarische Premier Viktor Orbán genannt werden. Das Datum des Gedenktags wurde bewusst gewählt, denn es war an eben jenem 17. Mai, dass die WHO beschloss, Homosexualität nicht länger als Krankheit zu führen. In einigen Ländern drohen homosexuellen und transsexuellen Menschen sogar die Todesstrafe, wenn ihre sexuelle Orientierung oder abweichende sexuelle Identität öffentlich bekannt wird.
Warum werden Menschen der LGBTQI*-Community immer noch diskriminiert und verfolgt?
Diese Queerfeindlichkeit ist nicht so einfach zu erklären, sondern hat vielschichtige Ursachen. Sie offenbart sich aber in Form von Intoleranz, Vorurteilen oder ganz allgemein Ablehnung. Häufig tritt diese Diskriminierung oder gar Verfolgung queerer Menschen zusammen mit politischem und religiösem Fundamentalismus auf.
Beispiele dafür sind der Islamismus oder die radikale Rechte in den USA und weiteren Ländern. Viel davon hat mit traditionellen Rollenbildern von Mann und Frau zu tun. So sehen viele rechtsextreme Personen die traditionelle Familie durch Menschen mit einer abweichenden Sexualität in ihrer Existenz bedroht. Das schließt physische und psychische Gewalt mit ein.
Wie kann man im Alltag Haltung zeigen?
Wer Diskriminierung im Alltag etwas entgegensetzen möchte, kann oft schon mit kleinen, respektvollen Schritten viel bewirken. Dazu gehört zum Beispiel, andere Menschen nicht vorschnell einzuordnen, abwertende Begriffe nicht zu verwenden und die Selbstbezeichnung einer Person zu respektieren.
Ebenso wichtig ist es, bei offen verletzenden Sprüchen oder Ausgrenzung nicht einfach wegzusehen. Schon ein klares Zeichen der Solidarität, eine respektvolle Nachfrage oder das bewusste Sichtbarmachen von Unterstützung kann Betroffenen zeigen, dass sie nicht allein sind.
Checkliste für Unterstützer und Veranstalter
- Ist die Kommunikation respektvoll, klar und diskriminierungssensibel formuliert?
- Wird deutlich gemacht, dass Vielfalt und Sicherheit im Mittelpunkt stehen?
- Sind Informationen zur Veranstaltung leicht verständlich und gut auffindbar?
- Wird bei Aktionen oder Beiträgen auf eine wertschätzende Sprache geachtet?
- Gibt es Raum für Austausch, Information und sichtbare Solidarität?
Wo und wie wird der Gedenktag gefeiert?
Aktuell wird der IDAHOBIT in mehr als 130 Ländern weltweit gefeiert. Darunter sind auch solche Länder, in denen eine abweichende Sexualität und Transgeschlechtlichkeit illegal sind. Auch die Europäische Union und die Vereinten Nationen nehmen in der einen oder anderen Form an diesem Gedenk- und Aktionstag teil. Über das jährlich wechselnde Motto stimmen LGBTQIA*-Organisationen rund um den Globus gemeinsam ab.
Eine ähnliche Funktion nimmt der Christopher Street Day ein, an dem meist das feuchtfröhliche Feiern im Vordergrund von homosexuellen Menschen im Vordergrund steht. Viele öffentliche Gebäude werden am IDAHOBIT in den Farben des Regenbogens angestrahlt, um auf diese Weise Solidarität und Unterstützung zum Ausdruck zu bringen. Aktivisten machen rund um den Gedenktag verstärkt in den sozialen Netzwerken auf die Belange der LGBTQI*-Community aufmerksam. Neben Gedenken und Aktivismus darf aber selbstverständlich auch einfach gefeiert werden.
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IDAHOBIT 2024
Auch 2024 wurde der IDAHOBIT wie jedes Jahr seit seiner Ausrufung im Jahr 2005 gefeiert. Zu diesem Anlass erinnerten Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt mit zahlreichen Aktionen an ihre Menschenrechte und ihre anhaltende Verfolgung in vielen Ländern. In vielen deutschen Städten organisierte der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) Kundgebungen, um für mehr Vielfalt und Respekt gemeinsam auf die Straßen zu gehen. Wie in den Jahren zuvor gab es in Berlin und vielen anderen deutschen Städten Demonstrationen, aber auch Bildungsveranstaltungen, kulturelle Events und weitere Aktionen. Im Vorfeld des Tags informieren Städte und betreffende Organisationen über bevorstehende Veranstaltungen.
Die Bundesregierung unterzeichnete zum IDAHOBIT 2024 eine Erklärung, um mehr für die Rechte dieser Bevölkerungsgruppe zu unternehmen. Angesichts der immer noch bestehenden Anfeindungen soll auch auf EU-Ebene intensiver kooperiert werden, um dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken. So setzt sich eine Konferenz in Brüssel für LGBTIQ*-Rechte ein. Auf der Konferenz unterzeichneten Regierungsvertreter und Experten ebenfalls eine gemeinsame Erklärung, um Diskriminierung und Hassgewalt gegen LGBTIQ*-Menschen stärker zu bekämpfen.
Vom 14. bis 16. Mai 2024 fand außerdem das jährliche IDAHOT+ Forum des Europarates in Den Haag statt. Das Motto lautete: „Die Zukunft der Freiheit und Gleichheit in Europa“. Dort war unter anderem auch Bundesgleichstellungsministerin Lisa Paus anwesend. Das Forum forderte mehr finanzielle Anstrengungen, um die Beratungsinfrastruktur von LGBTIQ*-Menschen zu stärken und mehr politisches Engagement zum Schutz der Menschenrechte zu zeigen.
Häufige Fragen zum IDAHOBIT
Wofür steht die Abkürzung IDAHOBIT?
IDAHOBIT steht für den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie. Der Tag macht auf Diskriminierung aufmerksam und setzt ein Zeichen für Respekt, Sichtbarkeit und Gleichberechtigung.
Geht es an diesem Tag nur um öffentliche Veranstaltungen?
Nein, der Gedenktag wird nicht nur mit großen Aktionen begangen. Auch Gespräche, Bildungsarbeit, sichtbare Solidarität oder kleine lokale Initiativen können Teil des IDAHOBIT sein.
Wie kann man sich beteiligen, wenn man selbst nicht betroffen ist?
Auch Menschen, die nicht selbst zur LGBTQI*-Community gehören, können Haltung zeigen. Respektvolle Sprache, solidarisches Verhalten und Aufmerksamkeit für Ausgrenzung im Alltag sind dafür wichtige erste Schritte.
Fazit
Der IDAHOBIT ist ein wichtiger Gedenk- und Aktionstag, um auf die Rechte von Menschen mit einer von der Mehrheit abweichenden sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität aufmerksam zu machen. Was lange selbstverständlich war, nämlich die Einstufung von Homosexualität und Transsexualität als Krankheit oder Störung, wird heute von immer mehr Menschen, aber auch Staaten abgelehnt. In vielen Ländern müssen diese Menschen aber weiterhin für ihre Menschenrechte kämpfen oder sich gar vor politischer Verfolgung schützen.