Asexualität – Keine Lust auf Sex?

Von etwa einem Prozent der Bevölkerung wird vermutet, dass er sich als asexuell bezeichnet. Viele Betroffene bemerken bereits in der Pubertät, dass ihr Interesse an Sex nicht dem ihrer Mitschüler gleicht. Das kann verunsichern und bis ins Erwachsenenalter prägen. Daher ist es wichtig, frühzeitig über Asexualität aufzuklären, um den Betroffenen Sicherheit zu geben und ihnen die Angst zu nehmen, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Nachfolgend wird erklärt, was Asexualität eigentlich bedeutet, wie sie sich äußert, welche Ursachen sie haben kann und wie Betroffene Beziehungen erleben.

Was ist asexuell?

Wer sich selbst als asexuell bezeichnet, empfindet wenig bis gar keine Lust auf Geschlechtsverkehr und intime Nähe zum Partner. Diese Lustlosigkeit bezieht sich dabei auf alle Geschlechter, weshalb asexuell zu sein auch oft als sexuelle Orientierung bezeichnet wird. So besteht diese neben Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität und anderen. Asexuelle Personen sehnen sich zwar nach Freundschaft und Liebe, der körperliche Aspekt der Nähe spielt für sie aber keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle. Wenn sie zumindest zeitweise das Bedürfnis nach Sex verspüren, könnte man sie auch dem demisexuellen Spektrum zuordnen.

Dabei muss unbedingt betont werden, dass asexuell zu sein keine Krankheit ist. Es handelt sich hier ebenso um eine sexuelle Orientierung und diese hat keine pathologischen Ursachen.

Viele Betroffene bemerken bereits in der Pubertät, dass ihre Altersgenossen wesentlich mehr an Sexualität interessiert sind als sie und oft spüren sie auch keine körperliche Anziehung zu anderen Personen. Das kann belastend sein, wenn man zunächst nicht weiß, was eigentlich los ist. Frühzeitig aufzuklären ist deshalb wichtig. Immerhin sind rund ein Prozent der Bevölkerung betroffen. Asexuelle Menschen können sich zudem im Laufe der Zeit entwickeln und mehr oder weniger sexuelle Anziehung empfinden.

Asexuelle Personen können dabei aber verschiedene Vorlieben verspüren. Während die einen nie Lust auf Sex haben und deshalb auch kaum oder nie Geschlechtsverkehr praktizieren, befriedigen sich die anderen zumindest selbst und empfinden dabei Lust. Wiederum andere haben hin und wieder Sex und genießen diesen auch zum Teil, zum anderen Teil tun sie dies ihrem Partner zuliebe.

Anzeichen für Asexualität

Es gibt verschiedene Anzeichen dafür, dass eine Person asexuell ist. Es ist von Bedeutung, die Hinweise zu erkennen, um mit sich selbst im Reinen zu sein. Es müssen weder alle Aspekte zutreffen, noch müssen sie alle gleich stark ausgeprägt sein. Es gibt keine offizielle Definition für diese sexuelle Orientierung, sodass sich alle Personen so bezeichnen dürfen, die sich selbst in diesem Spektrum angeordnet sehen.

  • Darstellungen von sexuellen Inhalten, erotische Erzählungen oder Pornographie sind für Betroffene nicht interessant. Sie verspüren dabei keine Erregung und meist keine anderen Empfindungen als sonst.
  • Andere Personen sind für Betroffene meist eher auf emotionaler und kognitiver Ebene interessant. Die körperliche Anziehung findet kaum oder nicht statt. Auch das Äußere einer Person ist nicht der ausschlaggebende Aspekt für das eingehen einer Beziehung.
  • Intimität basiert für Betroffene nicht auf körperlicher Nähe und Sex. Wichtiger ist eine emotionale Auseinandersetzung und eine charakterliche Verbindung zwischen zwei Menschen.
  • Betroffene können sexuelle Erregung empfinden, ordnen diese aber als gewöhnlich oder sogar störend oder unangenehm ein. Sie stellt für sie keine Befriedigung der Lust dar.
  • Betroffene können sich verlieben und Partnerschaften eingehen. Sex spielt für sie aber keine Rolle und hat auch keinen tieferen Sinn, sodass kein Interesse daran besteht.

Welche Erklärung für diese sexuelle Orientierung gibt es?

Asexualität ist keine Krankheit. Dementsprechend gibt es auch keine bewiesenen psychischen oder körperlichen Ursachen, die dieses Empfinden hervorrufen können.

Die Forschung ist sich jedoch noch uneins, ob es nicht doch Umwelteinflüsse gibt, die asexuelle Empfindungen begünstigen oder verursachen können. Dabei wird zum Beispiel der Einfluss von Medikamenten oder Alkohol diskutiert, ein Hormonmangel oder eine Funktionsstörung des Lustzentrums im Gehirn. Auch psychische Ursachen könnten in Frage kommen. Etwa Probleme in der Partnerschaft, eine Geburt, Stress und Schlafmangel oder die Nachwirkungen von sexuellem Missbrauch könnten verursachend wirken.

Hier ist die Forschungslage jedoch noch sehr dünn, was bedeutet, dass man vorsichtig damit sein muss, asexuellen Menschen gleich eine der vorgestellten Ursachen zuzuschreiben.

Wie gestalten sich Beziehungen für Betroffene?

Bloß, weil sich eine Person als asexuell bezeichnet, bedeutet das noch nicht, dass diese kein Interesse an einer Beziehung hat oder sich nicht nach Nähe sehnt.

Viele Betroffene wünschen sich eine tiefe emotionale Beziehung, der körperliche Aspekt spielt dabei aber kaum eine Rolle. Asexuelle Menschen haben nicht grundsätzlich kein Interesse an zwischenmenschlicher Interaktion.

Einfacher gestalten sich Beziehungen, wenn beide Partner asexuell sind. Da bedarf es dann kaum einer Erklärung für das eigene Verhalten und der emotionale und kognitive Aspekt der Beziehung kann ganz im Fokus stehen.

Eine Herausforderung ist es oft für Paare, bei denen nur ein einziger Partner asexuell ist. Welche Bedeutung das für die Beziehung hat, wird den meisten erst später bewusst. Wenn ein Partner Lust auf Nähe, Intimität und Sex verspürt, der andere aber nicht, kann das die Beziehung auf die Probe stellen. Miteinander zu reden ist dabei das allerwichtigste.

Manche Paare einigen sich darauf, hin und wieder Sex zu haben, um den nicht asexuellen Partner zufrieden zu stellen, doch nicht immer funktioniert das und vor allem die asexuelle Person kann unter diesem Druck auch leiden.

Es ist manchmal empfehlenswert, sich in solchen Fällen Hilfe von außen, beispielsweise durch Paartherapeuten zu holen.

*Hinweis: Um den Text besser lesbar zu gestalten, wurde – wo nötig – auf die männliche Genusform zurückgegriffen. Diese schließt jedoch immer alle Geschlechter mit ein.