{"id":2261,"date":"2018-11-06T15:34:39","date_gmt":"2018-11-06T14:34:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sie-sucht-sie.de\/magazin\/?p=2261"},"modified":"2025-08-28T11:29:00","modified_gmt":"2025-08-28T09:29:00","slug":"genderfluid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sie-sucht-sie.de\/magazin\/genderfluid\/","title":{"rendered":"Genderfluid &#8211; Was bedeutet es?"},"content":{"rendered":"\n<p>Im breiten Spektrum der Geschlechtsidentit\u00e4ten taucht immer wieder der Begriff der Genderfluiditit\u00e4t auf. Aber was bedeutet es? Im Grunde bedeutet der Begriff, dass ein Mensch sich nicht mit einem festgelegten Geschlecht identifiziert, sondern sich seine Geschlechtsidentifizierung im Laufe der Zeit immer wieder \u00e4ndert. Aber was das genau bedeutet dazu sp\u00e4ter mehr.<!--more-->Jeder Mensch muss sich immer wieder mit seiner <a href=\"https:\/\/www.sie-sucht-sie.de\/magazin\/geschlechtsidentitaet\/\">Geschlechtsidentit\u00e4t<\/a> auseinandersetzen: Was bedeutet es sich als \u201eFrau\u201c oder \u201eMann\u201c zu bezeichnen? Ob es um die eigene <a href=\"https:\/\/www.sie-sucht-sie.de\/magazin\/welche-sexualitaeten-gibt-es\/\">Sexualit\u00e4t<\/a> oder den individuellen Ausdruck geht \u2013 immer mehr Menschen brechen aus festgelegten Rollenbildern und Zuschreibungen aus.<\/p>\n<h2>Was bedeutet es, genderfluide zu sein?<\/h2>\n<p>Die Tatsache, dass Menschen sich selbst manchmal nicht ihrem biologischen Geschlecht zuordnen, ist inzwischen \u2013 gl\u00fccklicherweise &#8211; relativ weit anerkannt. Menschen, die sich selbst mit ihrem von Geburt an zugewiesenen Geschlecht identifizieren, werden auch <a href=\"https:\/\/www.sie-sucht-sie.de\/magazin\/cisgender\/\">cis-Menschen (cis-M\u00e4nner und cis-Frauen)<\/a> genannt. Indem auch diese Geschlechtsidentit\u00e4t, die f\u00e4lschlicherweise oft als Norm bezeichnet wird, einen Begriff findet, wird deutlich, dass sie nur eine von unz\u00e4hligen Formen des Ausdrucks der eigenen Geschlechtlichkeit und Sexualit\u00e4t ist.<br \/>\nAuch findet der Begriff des sozialen Geschlechts, in der Regel Gender genannt, immer mehr Aufmerksamkeit und zeigt, dass die Grenzen zwischen Geschlechtsidentit\u00e4ten keineswegs festgelegt sind. Einer bin\u00e4ren Geschlechtereinteilung gegen\u00fcber stehen zahlreiche Ans\u00e4tze von Genderidentit\u00e4ten, die so vielf\u00e4ltig sein k\u00f6nnen, wie es die Menschen sind. Der Begriff der Genderfluidit\u00e4t zeigt, dass Menschen nicht nur vollkommen unterschiedliche Geschlechtsidentifizierungen haben und diese unterschiedlich ausdr\u00fccken: Genderfluidit\u00e4t bedeutet auch, dass sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens immer wieder neu orientieren kann. Die Orientierung reicht dabei weit \u00fcber eine Identifizierung mit dem m\u00e4nnlichen* oder dem weiblichen* Geschlecht hinaus \u2013 manche Menschen wechseln so auch von einer \u201eeindeutigen Geschlechtsidentit\u00e4t\u201c zur Androgynit\u00e4t oder bezeichnen sich selbst zeitweise als agender. Diese beiden Begriffe sollten aber nicht miteinander verwechselt werden: W\u00e4hrend Androgynit\u00e4t eine Geschlechtsidentit\u00e4t irgendwo zwischen dem M\u00e4nnlichen* und dem Weiblichen* beschreibt, bedeutet agender, dass die Person sich selbst als geschlechtsneutral beschreibt.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit der Genderfluidit\u00e4t kommt auch oft der Begriff Genderqueer auf. Eine richtige Abgrenzung zwischen den beiden Definitionen ist eigentlich kaum m\u00f6glich, oftmals \u00fcberschneiden sich die Wortbedeutungen in ihrer Verwendung. Genderqueer bedeutet im Grunde ebenfalls, dass keine eindeutige Zuordnung zu einer Genderidentit\u00e4t im Sinne einer Genderbinarit\u00e4t stattfindet: Genderqueere Menschen k\u00f6nnen sich so gleichzeitig oder auch abwechselnd als Mann* oder Frau* beschreiben \u2013 es kann aber auch bedeuten, dass eine Person sich (zeitweise) weder als Mann* oder Frau* sieht. Die Skala der Genderidentit\u00e4ten ist also unendlich gro\u00df und welcher Begriff als richtig f\u00fcr die Beschreibung empfunden wird, obliegt einem Menschen selbst.<\/p>\n<h2>Transsexualit\u00e4t oder Genderfluide?<\/h2>\n<p>Die meisten Menschen, die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren, f\u00fchlen schon von Kindheit an eine Unstimmigkeit in der Wahrnehmung des eigenen K\u00f6rpers mit den Erwartungen der Umwelt. Viele genderfluide Menschen berichten, dass sie sich selbst in ihrem K\u00f6rper unwohl f\u00fchlten und das Gef\u00fchl zur eigenen Identifikation h\u00e4ufig wechselte. Vielleicht ist die Transsexualit\u00e4t bekannter als die Genderfluidit\u00e4t, was Betroffene oftmals verwirrt, da sie sich nicht \u201eeinfach\u201c mit dem anderen biologischen Geschlecht identifizieren.<\/p>\n<h2>Die eigene Geschlechtlichkeit finden<\/h2>\n<p>Nach wie vor f\u00e4llt es vielen Menschen schwer, ihre Genderidentit\u00e4t beziehungsweise ihre Genderidentit\u00e4ten zu finden und auszudr\u00fccken. Die Hauptgr\u00fcnde daf\u00fcr sind sicherlich auch heute noch die vorherrschende Geschlechterbinarit\u00e4t, die in der \u00f6ffentlichen Bildung und eigentlich allen \u00f6ffentlichen Institutionen vorherrscht. Fortschritte, wie die gleichgeschlechtliche Ehe in Deutschland sind aber trotzdem leider noch die Ausnahme. Insgesamt ist es, gerade f\u00fcr junge Menschen schwer, zur eigenen Genderidentit\u00e4t zu finden, wenn diese nicht den dominanten Rollenmustern ihrer Gesellschaft entspricht. Das trifft besonders dann zu, wenn andere Faktoren es schwer machen, sich unabh\u00e4ngig und frei mit der eigenen Geschlechtlichkeit und Identit\u00e4t auseinanderzusetzen. Die eigene Geschlechtlichkeit ist zutiefst pers\u00f6nlich und gleichzeitig ein fundamentaler Bestandteil der eigenen Identit\u00e4t: Das ist auch der Fall, wenn ein Mensch sich keinem sozialen Geschlecht zuordnet und sich selbst als neutral beschreibt.<\/p>\n<h2>Wie rede ich \u00fcber Genderfluidit\u00e4t?<\/h2>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist das eigene Gender, ebenso wie das eigene biologische Geschlecht etwas, was nur den Menschen selbst angeht. Trotzdem ist es nat\u00fcrlich wichtig, sich selbst so zu zeigen und so zu leben, wie das Geschlecht selbst erlebt wird. Die Genderfluidit\u00e4t ist vielen Menschen nicht bekannt, was in unterschiedlichen Lebenssituationen zu Konflikten f\u00fchren kann: Das Umfeld reagiert unter Umst\u00e4nden irritiert auf Wandlungen der eigenen Geschlechtsidentifikation. Nach wie vor herrscht die Vorstellung einer eindeutigen Zuordnung zu. Obwohl das Abweichen vom biologischen Geschlecht so mittlerweile immer akzeptierter ist, kann es so sein, dass eine uneindeutige Zuordnung Mitmenschen irritiert und verunsichert. Das kann zu ablehnenden Reaktionen, aber auch zu ganz unbewussten Affronts f\u00fchren.<\/p>\n<p>Wer sich entscheidet, offen mit der eigenen Genderfluidit\u00e4t umzugehen, sollte das Thema offen mit dem eigenen Umfeld umgehen. Gerade in der Anfangszeit und in sozialen Umfeldern, in denen LSBTTIQ-Themen eher Neuland sind, werden Freunde und Familie sicherlich viele Fragen haben. Menschen, die f\u00fcrchten, hier auf Ablehnung zu sto\u00dfen, sollten sich Verb\u00fcndete suchen: Das kann eine Beratungsstelle sein, aber auch ein Freund oder eine Freundin, die eingeweiht werden. Auch wenn man sich noch nicht outen m\u00f6chte, kann es dabei helfen, mit jemandem zu reden und die Unsicherheit \u00fcber das eigene Geschlecht nicht f\u00fcr sich zu behalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im breiten Spektrum der Geschlechtsidentit\u00e4ten taucht immer wieder der Begriff der Genderfluiditit\u00e4t auf. Aber was bedeutet es? 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